Ein Nebel namens LotharEin Nebel namens Lothar

08.10.2009

Wie wird man eigentlich Fußballtrainer? Und warum doch besser nicht?
Einmal Bundesligatrainer sein. Für manche Menschen ist das wie: einmal einen Bugatti fahren oder einmal mit Heidi Klum zu Abend essen. Eine nicht ganz unmögliche Aufgabe also, die aber bislang immer von den Falschen erledigt wird.
Hertha BSC Berlin hat gerade einen Trainer gesucht, und ehe der Name „Friedhelm Funkel“ ausgerufen wurde, wie man andernorts mit weißem Rauch „Habemus papam“ ruft, konnte die interessierte Fußballwelt viel darüber lernen, was es braucht, um tatsächlich einen solch begehrten Job zu kriegen.
Zu allererst, der alte Trainer war gerade erst entlassen, wurde „Lothar Matthäus“ gerufen, unser aller Rekordnationalspieler-und-Weltfußballer-und-Abiturientinnenbräutigam. Dann schallten Namen wie „Hans Meyer“ und „Jürgen Röber“ durch die Stadt. Trainer also, von denen man sich in Berlin, was hier nicht selbstverständlich ist, früher mal auf beinah anständige Weise getrennt hatte.

Wenn jedoch jetzt von einer auch nur randständig informierten Quelle behauptet wird, ein aufs Seriöse bedachter deutscher Bundesligist spreche mit „Matthäus“, mit „Meyer“ oder „Röber“, dann ist sicher: Mit denen redet garantiert niemand! Verhandelt wurde stattdessen mit einem, der so früh noch nicht in der Zeitung stehen sollte. Nebelwerfen nennt man das.
Wie wir jetzt wissen, hatte Hertha schon lange mit Friedhelm Funkel verhandelt. Und zwar ziemlich lange, was man daran erkannte, dass plötzlich jemand „Berti Vogts“ rief. Der frühere Bundestrainer, der bei seinen Engagements an so exotischen Orten wie Kuwait, Leverkusen oder Aserbaidschan nicht zeigen konnte, warum er 1996 Europameister wurde und ob das vielleicht gar nicht am Trainer lag, hat bei Trainerdebatten eine ähnliche Funktion wie „Matthäus“, „Meyer“ oder, die älteren Leser werden sich erinnern, „Max Merkel“.

Vielleicht, könnte man einwenden, ist das alles ja berlintypisch. Unter Umständen ließe sich ja abseits von der deutschen Hauptstadt, wo man gerne mit einem großkotzigen „Hamses nich ne Nummer größer?“ auftritt, ein Bundesligist finden, der offen, transparent und an fachlichen Kriterien orientiert eine Trainerdiskussion betreibt.

Nein. Gibt es leider nicht. Denn es ist ja nicht so, dass der Traum, einmal im Leben Bundesligatrainer zu sein, jüngst nur in Berlin zu realisieren war – was übrigens, schaut man sich Friedhelm Funkels Einstieg, eine Heimniederlage gegen den Hamburger SV an, vielleicht doch nicht der wahre Traumjob ist. Der VfL Bochum ist gegenwärtig noch auf der Suche nach einem Mann, der das kann, und während in Berlin „Lothar Matthäus“ gerufen wurde, um mit Funkel zu reden, heißt in Bochum das Zauberwort „Peter Neururer“. Das ist, muss man Menschen, die sich im Fußballgeschäft nicht so gut auskennen, kurz erklären, so eine Art „Lothar Matthäus“ für kleinere Vereine.

Das Problem, wenn unsereins einmal im Leben Bundesligatrainer werden möchte, ist also nicht, dass ein Fußballmanager auf uns aufmerksam werden müsste. Namen fliegen immer durch die Luft, und wenn ein Verein sehr lange verhandelt, könnte auch meiner oder Ihrer mal genannt werden. Aber halt nicht als realistische Option, sondern bloß, um Zeit für richtige Verhandlungen zu schinden.

Vielleicht sollte man sich als Lebensziel doch lieber vornehmen, mal einen Bugatti gegen die Wand zu fahren oder Heidi Klum ein Glas Rotwein übers Kleid zu kippen. Leichter ist das.

Martin Krauß

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